Gestern war es soweit: Meine erste Extremsportart meines jetzigen NZ-Aufenthalts stand an: Angie und ich wollten uns rund 35 Meter in die Ruakuri-Höhle bei Waitomo abseilen lassen, dann 5 Meter von einem Kliff in einem unterirdischen Fluss springen, und dann am Ende noch nen Wasserfall hochklettern. Tja, da hatten wir uns viel vorgenommen, vor allem, da weder Angie noch ich gut durchtrainierte Extremsportler sind, sondern eher extreme Verrenkungen machen, um an die Chipstüte vor dem Fernseher ranzukommen. Naja, egal, auf dem Flyer stand, moderate Fitness und das ist kein Problem für uns… dachten wir!
Also, fuhren wir gegen 8 nach Waitomo los, ich war ja schon um Weihnachten bei den Waitomo-Caves und habe dort eine der „langweiligeren“ Höhlenbesichtigungen gemacht. Jetzt, wie gesagt, die etwas extremere Tour! Wir kamen gegen 11 an und hatten bis zum Beginn von der „The Abyss“-Tour (auf deutsch: der Abgrund) noch etwas Zeit. Maui sei Dank konnten wir die Tour umsonst machen, ansonsten hätten wir rund 200 Dollar auf dem Tisch legen müssen. Inzwischen hatten wir auch etwas genauere Informationen, was uns heute auf der rund 5-Stunden langen Tour bevorstand und langsam waren wir etwas aufgeregt und ich hatte schon etwas Bauchweh!
Gegen 13 Uhr bekamen wir dann unsere Einweisung, wir zogen unsere megasexy Wetsuits an, ich sah aus wie ne Würzburger Bratwurst! Wir bekamen Helme mit Lampen, Stiefel, und unsere Gurte für das Abseiling! Dann wurde unsere Gruppe (ein Paar aus Norwegen, 1 Engländer und wir) in einen Van gepackt und ab gings zur Höhle! Naja fast, zuvor durften wir noch an einem Hügel üben, wie das mit dem Abseilen denn so funktioniert. Ich hatte mir auch jede kleine Einzelheit gemerkt, denn wie unser Guide Hamish uns erklärte: „Lern das oder du bist tot, haha“, wie überaus witzig! Hab ihn dann noch gefragt, wie das Unfällen in den letzten Jahren war! Er meinte nur, nö nix mit Unfällen! Ich glaubte ihm aber nicht!
Dann wurde es langsam ernst, Hamish führte uns zum Eingang der Höhle, leider war das kein Eingang, sondern ein 35 Meter tiefes Loch! Himmel, Maria und Josef, dachte ich mir, was mache ich da nur für nen Scheiß! Aber es gab kein zurück mehr! Angie verschwand schon in der Höhle und ich war an der Reihe, kurz vor dem Abseilen wurden noch Fotos gemacht, ja ja da lachte ich noch! Dann gings los mit dem Abseilen, ich sollte die rechte Hand mit dem Seil immer hinter mir lassen und mich langsam abseilen (würde auch schneller gehen, aber ich wollte nichts riskieren!). Hmmm, irgendwie wurde daraus nix, das Loch wurde immer enger und ich konnte das Seil nicht mehr hinter mir führen, einmal steckte ich mit meinem Hintern fest, scheiße dachte ich da, und schrie wie eine Blöde auf englisch rum. „I stack in the hole, f*cking bullshit!“ Naja, nach ca. 15 Sekunden Panik, versuchte ich wieder mein Erlerntes in den Kopf zu bekommen und begann mich weiter abzuseilen.
Da es unter mir zappenduster war, hatte ich keine Ahnung wie weit es noch zum Boden war, na ganz toll, ich hörte Angies Stimme von unten und den Guide, aber keiner wollte meine Frage, wie weit es noch war, beantworten. Nach schrecklichen 2 Minuten erreichte ich dann endlich den Boden und wollte wie der gute alte Papst den Boden küssen, so froh war ich! Aber Schlussendlich, geil war es trotzdem, das Adrenalin schoss mir nur so durch die Eingeweide. Der Guide meinte nur, das Schlimmste hätte ich überstanden! Haha, da hatte ich ihn noch ernst genommen, immer diese Kiwis mit ihren Scherzchen!
Wir begannen also dann unsere Erkundungstour durch die Höhle, Hamish hatte noch einen Partner mit dabei und wir fragten uns schon, warum wir unser Sicherheitsgeschirr noch tragen mussten, auf einmal stoppte der andere Guide und meinte: Wir machen jetzt einen Flying Fox rund 7 Meter über nen Abrund! Ja, ganz toll! Das stand nirgendwo in dem Flyer! Angie war unglücklicherweise die Erste, die runter musste, sie sträubte sich vehement, wurde aber dann doch überzeugt, an einem Stahlseil entlang mit nem Karabinerhaken gesichert, runterzu“fliegen“. Ich war an der Reihe und fands einfach nur geil, vor allem, da wir das in absoluter Dunkelheit machten! In absoluter Dunkelheit? Nein! Abermillionen von Glühwürmchen erleuchteten die Höhle!
Nächster Programmpunkt war erstmal, etwas Warmes in den Bauch zu bekommen. Es gab Kaffee und Cookies und wir saßen an einem 5 Meter tiefen Abgrund, unter uns floß ein unterirdischer Fluß und als ich da Schwimmreifen liegen sah, dachte ich mir schon, dass wir da noch runterspringen mussten. Und so war es dann auch, wir sollten uns die Reifen unter den Hintern klemmen und einfach runterspringen. Ich wollte erst nicht, fragte nach einem anderen Weg, der Guide meinte, nö, es gibt keinen anderen Weg und sagte auch, einfach nicht drüber nachdenken, also sprang ich… in den saukalten Fluß mit meiner Brille (festgebunden an meinem Kopf) und es war einfach nur kaaaaaaalt, aber auch cool! Angie sprang nicht, sondern wurde über den ANDEREN WEG nach unten geführt, inzwischen glaubte ich den Guide kein einziges Wort mehr, von wegen das Schlimmste überstanden, bla, bla!
Das sogenannte Black Water Rafting war richtig cool war aber, meiner Meinung nach, etwas zu kurz, wir trieben auf einem unterirdischen Fluß und sahen Glühwürmchen überall und bekamen viel über diese Tierchen erklärt!
Dann haben wir unsere Reifen wieder abgegeben und die anstrengende Höhlenwanderung begann, wir liefen teilweise hüfthoch durch den Fluß im Halbdunkel und ich hatte etwas Schwierigkeiten, da man den Grund des Wassers nicht sehen konnte und nicht schon wieder umknicken und meinen Knöchel verstauchen wollte. Diese Wanderung war sehr anstrengend, aber auch sehr interessant. Wir mussten auch durch kleine Durchgänge uns durchrobben und einmal sogar untendurch schwimmen. Gott sei Dank, hatte ich nur ein oder zweimal ein klaustrophisches Gefühl und glaubte keine Luft zu bekommen. Und einmal war die Gruppe auf einmal weg, aber nach einer Minute rufen, war Hamish wieder da!
Die letzte Station sollte eine Erkletterung eines Wasserfalls sein, als ich den Wasserfall jedoch sah, fiel mir spontan nur ein Wort ein. NEIN!!! Gott sei Dank gab es noch einen Ersatzweg und auch Angie gesellte sich zu mir! Wenn der Wasserfall am Anfang gewesen wäre, wäre ich sicher da hoch, aber jetzt nach 4 Std. in der Höhle hatte ich einfach keine Kraft mehr. Also, warteten Angela und ich auf den Rest der Gruppe vor einem kleinen Höhlenausgang. Ich glaube, da wäre ich eh net durchgekommen.
Gegen 17.30 fuhren wir zurück und ich nahm erstmal ne heiße Dusche und zog meinen Wetsuit aus, der mich ca. 5 kg leichter machte.
Im Großen und Ganzen würde ich diese Tour jederzeit wieder machen, es war sehr sehr anstrengend und heute hab ich tierisch Muskelkater von dieser Aktion, aber es war auf jedem Fall klasse, eine Erfahrung fürs Leben, eine Austestung meiner Grenzen und vorallem MEGACOOL! In diesem Sinne, wollen Angie und ich in zwei Wochen wieder was Neues und Extremes anstellen, mehr dazu in einem der nächsten Einträge!
Bilder sind online! Bye bye eure Höhlenforscherin
Katrin



Hi !
meine Güte, das stell ich mir schon klasse vor. Ich jedoch hätte das nicht machen können. Bei meiner Klaustrophobie wäre ich glaube ich durchgedreht. Aber ein sehr netter Bericht und klasse, das es Dir so viel Spass gemacht hat.
Viele Grüße aus dem leicht verschneiten (!) Soest
Achim
Hallo Katrin,
Dein Bericht ist wirklich klasse und trifft die Sache absolut richtig. Da werden Touren angeboten, die werden noch nicht einmal im Schlaf in Deutschland oder sonst-wo-angeboten….
Man muss da schon eine Menge Portion Mut mitbringen. Als ich in Waitomo dann am Felsen hing, die Seile an mir befestigt, fragte ich noch „wer kommt denn mit“ – klar war die Antwort „Niemand, Deine Guide bleibt oben“ – „Ach ich, ganz allein in der Wand?“ – „No worries!“ war da nur noch die Antwort. Un kurz drauf hin ich in der Wand, und kurz drauf schwebte ich nur noch am Seil. Ich hatte das noch nie zuvor gemacht, aber das war schon der Hammer.
Auch die Touren durch die Hoehlen waren klasse, aber eben auch nicht ohne…..
Ja, von den Unfaellen reden die Kiwis nicht gerne. Das passt einfach nicht zu Ihrer Mentalitaet. Das tragische Beispiel von letzter Woche (Raftingunfall mit mehreren Verunglückten) ist so ein Fall.
Wünsche Dir noch eine schoene Zeit heir.
Ralf
Hallo Katrin,
Dein Bericht ist wirklich klasse und trifft die Sache absolut richtig. Da werden Touren angeboten, die werden noch nicht einmal im Schlaf in Deutschland oder sonst-wo-angeboten….
Man muss da schon eine Menge Portion Mut mitbringen. Als ich in Waitomo dann am Felsen hing, die Seile an mir befestigt, fragte ich noch „wer kommt denn mit“ – klar war die Antwort „Niemand, Deine Guide bleibt oben“ – „Ach ich, ganz allein in der Wand?“ – „No worries!“ war da nur noch die Antwort. Un kurz drauf hin ich in der Wand, und kurz drauf schwebte ich nur noch am Seil. Ich hatte das noch nie zuvor gemacht, aber das war schon der Hammer.
Auch die Touren durch die Hoehlen waren klasse, aber eben auch nicht ohne…..
Ja, von den Unfaellen reden die Kiwis nicht gerne. Das passt einfach nicht zu Ihrer Mentalitaet. Das tragische Beispiel von letzter Woche (Raftingunfall mit mehreren Verunglückten) ist so ein Fall.
Wünsche Dir noch eine schoene Zeit heir.
Ralf